Arbeitsgruppe Blogetristik

Mittwoch, 24. Jänner 2007

...

Nachdem ich nun einige Tage Zeit hatte, beim Arbeiten über die Bloglesung nachzudenken und mir eine bereits geschriebene Kritik auf Grund menschlichen Versagens wieder im Äther verpufft ist, jetzt doch noch eine Anmerkung zu diesem Society-Event.
Erstens bin ich nicht sicher, ob ich die Meinung Lotmans teilen kann, wonach es dem Medium zuwiderlaufen würde, Blogs zum Vortrag zu bringen. Nach reiflicher Überlegung bin ich nicht einmal mehr sicher, ob sich nicht der umgekehrte Effekt eingestellt hat. Wenn ich davon ausgehe, dass Blogs eine narzisstische Komponente haben und jedes Bloggerchen bis zu einem gewissen Grad nach Selbstdarstellung strebt, dann bedient man genau diesen Mechanismus, indem man die Texte nun vortragen lässt. Das Bloggerchen darf endlich das Gesicht zum Pseudonym liefern und sich ungeniert ins Rampenlicht stellen. Die Tatsache, dass die Veranstaltung in einem Literaturhaus stattfand, wertete also vor allem das Individuum, den Blog-Autor, auf. Die Texte waren dabei eigentlich Nebensache (man vergleiche: Literaturfestivals), auch wenn bemerkt werden muss, dass manche Texte im Vortrag eher überzeugten als andere (ibid). Hauptsache war doch, einmal die Gesichter hinter dem Text zu sehen. Und es stellte sich zusätzlich das angenehme Gefühl ein, man kenne seinen Gegenüber schon, während man sich gerade vorstellte.
Bleibt die Frage, wie die Veranstaltung von Menschen rezipiert wurde, die nicht als Lesende beteiligt waren.

Freitag, 19. Jänner 2007

Was macht denn eigentlich der Creekpeople jetzt?

Er liest gerade einen Zusammenschnitt des Creekpeople-Resorts vor. Und weil er den gerade in diesem Moment zum Vortrag bringt, während dieser Beitrag hier im Netz online geht, koppelt alles rück, dass wir zwischen Realität und Blog nur noch schwer unterscheiden können.
Was las/schrieb/dachte und ordnete Creekpeople also an bestimmten Tagen wo und wie?

Rubrik: ...we have the music
Montag, 23. Jänner 2006
Anti-pop
« Au milieu de l’imprégnation alcoolique, juste avant l’abrutissement, on traverse parfois des instants de lucidité aiguë » (Michel Houellebecq - Plateforme, p.233)

Rubrik: ...while scribbling my poetry
Samstag, 25. November 2006
Ode für Innsbruck (Auszug)

Rubrik: Blogosphere bizarre
Samstag, 11. Juni 2005
Blogospherischer Seitensprung
Nachdem ich vor Kurzem hier diese komische Form von Blog-Spamming entdeckt habe, sei hier eine weitere Form elektronischer Verwahrlosung zumindest einmal angedacht: Eigentlich könnte man die Comment-Funktion eines wahllos ausgewählten fremden Weblogs zu den eigenen Eingaben zum eigenen Tagesgeschehen nutzen, ohne auf den gekaperten Eintrag Bezug zu nehmen. Der eigene Weblog könnte dann ausschließlich aus Links zu den Comments bestehen. >> Cuckoo-Blog-Eintrag

Rubrik: Exposition
Sonntag, 27. November 2005
„Pourquoi tu m’appeles erreur, alors qu’j’suis humain.“
... und werden auch sie irgendwann zu Ihren Mitmenschen sagen:
Die Grenzen meiner Welt sind der Anfang meiner Aufnahmefähigkeit.

Rubrik: guck doch nicht hin herzchen
Samstag, 27. Mai 2006
Nature morte
Sofia Coppola trifft französische Revolution - ein Kulturschock.
[Resümee:] Coppola suchte die Darstellung einer reinen Innenwelt, hat jedoch einen Stoff gewählt, der diese Reduzierung per se unterbindet, was den Film schließlich daran hindert, so kompakt und einheitlich zu sein, wie es die beiden Vorgängerfilme waren. Marie Antoinette scheitert daher weniger an seiner Grundidee, sondern vielmehr an seinem Thema.

Rubrik: Soma
Montag, 20. November 2006
Kalauer
"Wie heißt Hera Linds kleine Schwester?"
-
"Elektra Bregenz"

Rubrik: feel more like a stranger each time you come home
Sonntag, 23. Oktober 2005
5h30, gleiches Ambiente
Bist du auch so froh, A zu hören und nicht b.
Du magst c lieber, und außerdem schade, dass wir hir in d sind, und nicht im e, obwohl im f wäre es noch besser. Aber immerhin, haben sie hier g, das hilft. Erinnerst du dich noch an h, der sah das genauso, obwohl er aus i kam, da sind sie ja ein bischen anders - aber wie ist das eigentlich für dich, hier in j? Nicht so wie in k? Erzähl, ich war noch nie dort. Ist es so wie in m, oder eher wie in n, so o und gleichzeitig so p und so q, die ganzen r, die u, die v, die w, ich verstehe, da kommt man sich gleich so x vor, da hilft kein y. Fühlst du dich auch so?
Ja, irgendwie so wortreich unerfüllt.

Auszug

Innsbruck, oh,
Wiege der Verstädterten,
in Dir klingt immer Hoffnung an,
Du bist die Sehnsucht eines Liebenden,
von der von ihm Vergötterten
einmal auch geliebt zu werden.

zurück (oder auch: falls sie sich fragen, warum das jetzt hier steht)

Sonntag, 7. Jänner 2007

...

Anlässlich der 1. Innsbrucker Bloglesung am 19.01.07, stellte die Moderatorin ein paar Fragen, die zu beantworten ich mich soeben anschickte. Meine Antworten stehen zwar schon dort , ich will sie aber auch hier noch einmal veröffentlichen. Das könnte auch für eine Grundsatzdiskussion über das Resort gut sein. Beginnen wir also am Anfang...

"Ich blogge so lange wie es das Creekpeople-Resort nun schon gibt, das heißt in etwa seit 25 Monaten. Der Name Creekpeople kommt von einer musikalischen Vorliebe, genauer gesagt von dem amerikanischen Indie-Label Saddle Creek. Da das Resort ein „offener Blog für alles“ werden hätte sollen, kam mir „people“, das Singular und Plural so wunderbar vereint, gerade recht. An den Gedanken, des offenen Blogs knüpfen sich meine Probleme bei der Beantwortung der Frage nach dem Warum?. Es reizt mich ja eben nicht, einen persönlichen Blog zu führen, es interessiert mich nicht im geringsten, kleinste Details aus meinem Privatleben preiszugeben. Die einzige Rubrik, die versucht dies zu tun, befasst sich mit Träumen, wodurch das „Leben“ durch den onirischen Blick bis zur Unkenntlichkeit kodiert wird. Auch einer „literarischen“ Gestaltung der Beitrage bin ich abhold. Ich empfinde es fast als Anmaßung, des Blogs, so zu tun, als könne es überhaupt Literatur sein. Ich denke Literatur als etwas bewusst Gestaltetes. Das tun Blogs (meiner Erfahrung nach) nicht. Texte, die ich als literarisch einstufe und am Blog veröffentlichen will, stelle ich als Download ein. In den übrigen Beiträgen ist mir sehr daran gelegen, dass sowohl ich als auch die anderen Contributoren, sich an journalistischer Schreibe orientieren. (Langsam wird klar, dass all meine Ansprüche dem Resort gegenüber ständig in Gram und Enttäuschung enden – das fängt bei nicht eingehaltenen Rechtschreibregeln an und geht bis zu der leidigen Erfahrung, dass Blogs eine gewisse Egomanie und Ich-Bezogenheit ständig herausfordern. Die „Objektivität“, die mir so am Herzen läge, legt sich gerne anderswo ab.)
Auch bei der Zielgruppe könnte man sagen, dass eine Wunschvorstellung besteht, sie im offenen Blog jedoch weder von der Contributoren noch von der Kommentatorenseite kontrollierbar ist. Ich würde das Resort definieren als Magazin und Forum für Menschen, welche die uns umgebende Marken- und Populärwelt im Spiegel eines neuen Mediums begreifen und verstehen wollen. „(Lebens-)Kunst“ eben. Oder: „We are ugly but we have the music“. Allerdings gibt es genügend Printmagazine, die dies besser tun, als beispielsweise das Resort. Der Reiz im Blog, besteht also doch darin, dass die Komment-Struktur auf den Primärinhalt regulierend zurückwirken kann und dies auch tut. Insofern will ich Blogs gar nicht mit Printmedien vergleichen. Es ist etwas anderes. Blogs kann man eben nicht gemütlich am Frühstückstisch lesen. Zeitungen nicht unterm Artikel kommentieren. Der Vergleich ist überflüssig. Man sollte auch nicht Prosa und Gedichte wertend vergleichen. Beides kann schön sein.
Und schließlich noch die Sucht und Öffentlichkeitsfragen: Süchtig – klares Nein. Ich könnte gut ohne leben, but it’s our time and we have to live it. Hiermit sei auch die Frage nach der Öffentlichkeit: Auch wenn ich mich gegen die Entäußerungstendenzen sträube, sind sie nicht immer zu umgehen. Web 2.0 hat überlebt, jetzt frisst es uns eben."

Sonntag, 3. Dezember 2006

Bloglesungsblog

Das vom Herrn Resortleiter schon angekündigte Blog-Lese-Ding gebar soeben schon sein erstes Kind, das man sich mittels Klick auf den folgenden Link angucken kann.

Samstag, 2. Dezember 2006

Arbeitskreis für Bloglesefragen

Weil ja Sylvia Ainetter im Januar zu einer Bloglesung lädt, und creekpeople dort auch abliefern soll, rufe ich hiermit eine neue Rubrik ins Leben: Die Arbeitsgruppe Blogetristik legt also bis zum Lesungstermin Beiträge ab, die nicht nur gebloggt, sondern auch laut vorgelesen werden können. Weitere Theoriediskussionen entfallen aber für den Augenblick, werden aber nachgeholt.

We are ugly but we have the music

Blog für (Lebens-)Kunst und andere Eigenwilligkeiten

The ones with the sorest throats:


Animal Collective
Merriweather Post Pavilion

Malajube
Labyrinthes

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