Sonntag, 7. Jänner 2007

...

Anlässlich der 1. Innsbrucker Bloglesung am 19.01.07, stellte die Moderatorin ein paar Fragen, die zu beantworten ich mich soeben anschickte. Meine Antworten stehen zwar schon dort , ich will sie aber auch hier noch einmal veröffentlichen. Das könnte auch für eine Grundsatzdiskussion über das Resort gut sein. Beginnen wir also am Anfang...

"Ich blogge so lange wie es das Creekpeople-Resort nun schon gibt, das heißt in etwa seit 25 Monaten. Der Name Creekpeople kommt von einer musikalischen Vorliebe, genauer gesagt von dem amerikanischen Indie-Label Saddle Creek. Da das Resort ein „offener Blog für alles“ werden hätte sollen, kam mir „people“, das Singular und Plural so wunderbar vereint, gerade recht. An den Gedanken, des offenen Blogs knüpfen sich meine Probleme bei der Beantwortung der Frage nach dem Warum?. Es reizt mich ja eben nicht, einen persönlichen Blog zu führen, es interessiert mich nicht im geringsten, kleinste Details aus meinem Privatleben preiszugeben. Die einzige Rubrik, die versucht dies zu tun, befasst sich mit Träumen, wodurch das „Leben“ durch den onirischen Blick bis zur Unkenntlichkeit kodiert wird. Auch einer „literarischen“ Gestaltung der Beitrage bin ich abhold. Ich empfinde es fast als Anmaßung, des Blogs, so zu tun, als könne es überhaupt Literatur sein. Ich denke Literatur als etwas bewusst Gestaltetes. Das tun Blogs (meiner Erfahrung nach) nicht. Texte, die ich als literarisch einstufe und am Blog veröffentlichen will, stelle ich als Download ein. In den übrigen Beiträgen ist mir sehr daran gelegen, dass sowohl ich als auch die anderen Contributoren, sich an journalistischer Schreibe orientieren. (Langsam wird klar, dass all meine Ansprüche dem Resort gegenüber ständig in Gram und Enttäuschung enden – das fängt bei nicht eingehaltenen Rechtschreibregeln an und geht bis zu der leidigen Erfahrung, dass Blogs eine gewisse Egomanie und Ich-Bezogenheit ständig herausfordern. Die „Objektivität“, die mir so am Herzen läge, legt sich gerne anderswo ab.)
Auch bei der Zielgruppe könnte man sagen, dass eine Wunschvorstellung besteht, sie im offenen Blog jedoch weder von der Contributoren noch von der Kommentatorenseite kontrollierbar ist. Ich würde das Resort definieren als Magazin und Forum für Menschen, welche die uns umgebende Marken- und Populärwelt im Spiegel eines neuen Mediums begreifen und verstehen wollen. „(Lebens-)Kunst“ eben. Oder: „We are ugly but we have the music“. Allerdings gibt es genügend Printmagazine, die dies besser tun, als beispielsweise das Resort. Der Reiz im Blog, besteht also doch darin, dass die Komment-Struktur auf den Primärinhalt regulierend zurückwirken kann und dies auch tut. Insofern will ich Blogs gar nicht mit Printmedien vergleichen. Es ist etwas anderes. Blogs kann man eben nicht gemütlich am Frühstückstisch lesen. Zeitungen nicht unterm Artikel kommentieren. Der Vergleich ist überflüssig. Man sollte auch nicht Prosa und Gedichte wertend vergleichen. Beides kann schön sein.
Und schließlich noch die Sucht und Öffentlichkeitsfragen: Süchtig – klares Nein. Ich könnte gut ohne leben, but it’s our time and we have to live it. Hiermit sei auch die Frage nach der Öffentlichkeit: Auch wenn ich mich gegen die Entäußerungstendenzen sträube, sind sie nicht immer zu umgehen. Web 2.0 hat überlebt, jetzt frisst es uns eben."

Trackback URL:
https://creekpeople.twoday.net/stories/3152097/modTrackback

assotsiationsklimbim - 7. Jän, 19:18

@literatur: kommt eben immer drauf an, wie man "literatur" definieren will. im großen und ganzen gehen wir da, denke ich, ohnehin d'accord, nur kann ich in dieser apodiktik nicht zustimmen, dass ein blog a priori literatur nicht sein kann. dass das gewöhnliche blogpostig meistens nicht bewusst gestaltet (auch die definition diskussionsbedürftig eigentlich: was ist das dann? unbewusst gestaltet? gar nicht gestaltet?) ist, lasse ich mal gerne noch so durchgehen, aber daraus folgt nicht, dass es das nicht sein könnte.

@journalistische/objektive schreibe vs. egomanie: diesen punkt haben wir ja schon ausgiebig diskutiert, mein standpunkt ist bekannt. ich möchte doch aber behaupten, dass meine beiträge fürs resort - wiewohl kleingeschrieben - deinen ansprüchen genügen: ich orientiere mich an journalistischen schreibformen. da meine rezensionsgegenstände popkulturelle sind, sind die gängigen diskursformen über populärkultur mein vorbild. hier wird eine subjektive (verwechsle nicht mit egomanische) rezeption vorausgesetzt - populärkultur ist demnach erst durch den rezeptionsakt vollständig. "ich" muss erst vermitteln können, dass es reicht, dass ich die musik habe, damit es egal ist, dass ich häßlich bin. in einem größeren zusammenhang über so konzepte wie objektivität und deren wert zu diskutieren, ist hier nicht der rahmen dazu, ist aber natürlich trotzdem notwendig und werden wir wohl auch noch oft genug machen.

@marken- und populärwelt verstehen: hätte ich nicht so formuliert, aber kann ich in etwa zustimmen. wir haben es ja schon oft bemerkt: die wege, die wir gehen, um dahin zu gelangen, sind bisweilen andere, aufs ziel können wir uns einigen. das lasse ich aus harmoniesucht jetzt einfach mal so stehen, ohne weiter zu sticheln. nur welche anderen magazine meinst du, die besser sind?

@print vs. blog: meine rede, kann ich völlig zustimmen. (also dass der vergleich nicht viel bringt. nur lese ich blogs oft am frühstückstisch, das nur nebenbei.)

@living our time: siehe "marken- und populärwelt verstehen". ich finde es nur eben angenehmer, eigentlich das selbe zu meinen, aber den weg über ein ja zur postpostmodernen welt zu gehen, als über einen kulturpessimismus, den ich eben meiden muss wie der teufel das weihwasser, weil er zu leicht verwechselt werden kann mit konservativer reaktion. dass der ganze neoliberale flachbildscheiß in flammen stehen sollte, ist aber sowieso klar. also fressen wir kaputt, was uns sonst kaputt fräße. mahlzeit.

We are ugly but we have the music

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