In fact your just fiction

Dennoch muss man sagen, dass es eben Bands gibt, die zur falschen Zeit versuchen, alles richtig zu machen. 2005 war eindeutig das falsche Jahr für Spoon. Inmitten eines (immer noch anhaltenden) Stromes aus diversen Bloc-wir-entdecken-die-Basedrum-neu-Party Duplikaten, veröffentlichten Spoon ein Album, das klingt, als hätte sich Vordenker Britt Daniel mit seiner Band und dem Beatles-Backkatalog für ein Jährchen in einem dunklen Keller verrammelt. Britt Daniels Stimme erinnert teilweise stark an jene John Lennons, tarnt sich zur Abwechslung aber auch gerne einmal als Prince-Double („I turn my camera on“), während Piano und Schlagzeug brav einen gewissen Groove erzeugen, der uns alle von den glorreichen Zeiten auf den Erdbeerfeldern träumen lässt. Das Ergebnis ist angenehm (siehe vor allem „The beast and dragon, adored“ oder das oben erwähnte „I turn my camera on“), aber leider nicht berauschend. Das Album bleibt allzu oft einer unangenehm gefälligen Akkord-Behandlung im Stil des alternden Paul McCartney verhaftet, wodurch es vielen Songs schlicht an wirklichen Höhepunkten fehlt. Man walkt (durchaus gute) Grundideen auf Songlänge aus, versäumt aber für strukturierende Brüche zu sorgen. „Gimme Fiction“ ist ein handwerklich solides Album geworden, das aber leider eben nicht den Verve hat(te) um neben den dynamischen Stampfbeat-Abenteurern dieses und letzten Jahres wirklich hervorzustechen.
Britt Daniel wird gerne als einer der großen, zähen Arbeiter des amerikanischen Rocks beschrieben. Er scheint müde zu sein. Lassen wir ihn rasten.
creekpeople - 25. Feb, 20:39 - Rubrik: ...we have the music
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