In a safe place

Man hatte sich also wieder ins Kulturzentrum seines Vertrauens verirrt. Der alte, verrückte Mann, der einem schon das XiuXiu-Konzert versaut hatte, war auch da und bildete sich wie immer ein, ein Teil der Band zu sein. Luftgitarre an der Bühnenkante. Gestern bekam er dafür allerdings nur selten Gelegenheit. Denn Gitarren waren bei the Album Leaf nur selten im Einsatz. Stattdessen Moog-Orgel, Mediashow und ein wie hypnotisiert spielender Geiger. (Da konnte der verrückte Mann noch so oft Beatles-Songs einfordern) Das alles vermischte sich zu einem Sound, den man nicht ganz zuordnen konnte, irgendwo zwischen himmelschreiend langweilig und grandios warmherzig. Und auch der gute, alte Satz "Musik, zu der man gerne Sex haben möchte", passte nicht so wirklich. Eher nur kuscheln. Einen ganzen Sonntag lang.
creekpeople - 18. Mai, 17:07 - Rubrik: ...we have the music
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clodia - 18. Mai, 19:31
Der verückte alte Mann ist mir dann später gefolgt und wollte einen Kuss einfordern!
EW.
EW.
assotsiationsklimbim - 18. Mai, 22:25
wenn das wirklich so schlimm war, dann nur gut, dass ich mir das erspart habe. "musik zum kuscheln" ganz sicher in den top ten der nach oben hin nicht offenen hölle-auf-erden-skala. (ganz oben stehen die worte und deren signifikate (auch wenn es die nicht gibt) "kunderbunt", "kuscheln" und "setzkasten". eine meiner liebsten horrorvorstellungen übrigens: es könnte rein theoretisch jede person, mit der man sich unterhält, zuhause einen setzkasten haben, und man ahnt es nicht. (ich spreche aus erfahrung, man sieht es ihnen nicht an.) und dann sagen sie, der ist aber nur ironisch da. naja, setzkästen, da kann man sich aber auch aufregen.)
creekpeople - 19. Mai, 13:12
mein herz,
so schlimm wars wirklich nicht. Aber ehrlich gesagt hab ich mir schon erwartet, dass du auf "kuscheln" reagierst wie eine Katze auf Wasser. Das Konzert war vielleicht nicht ganz einordenbar, aber doch gut. Man hat nicht bereut, hingegangen zu sein.
assotsiationsklimbim - 19. Mai, 14:14
manchmal genieße ich es sehr, so voraussagbar wie eine kuckucksuhr zu sein.
jurijmlotman - 27. Mai, 22:10
"kuscheln" ...
... ist natürlich ein extremer semantischer schachzug. der bei euresgleichen selbstverständlich durch alle meta-ebenen abgesichert ist.
(habe ich dir schon mal erzählt, sagte der nervige redselige alte an der bar, habe ich dir schon erzählt, und packte mich unangenehm am oberarn, dass ich damals, im 82er jahr, einen uni-schülerzeitungsaufsatz über die erfindung der meta-ebene geschrieben habe, und dass es damit nun aber auch gut sein müsse ...? und hat es geholfen? drei jahre später tempo, 7 jahre später sz-magazin, vom tv ganz zu schweigen. die meta-hölle, sagte er, und starrte in sein glas, kopfschüttelnd. die meta-hölle...)
aber was ich eigentlich sagen wollte: "musik zu der ich gern sex hätte" ist die vielvielviel schlimmere kategorie. abgesehen davon, dass es das nicht gibt.
(habe ich dir schon mal erzählt, sagte der nervige redselige alte an der bar, habe ich dir schon erzählt, und packte mich unangenehm am oberarn, dass ich damals, im 82er jahr, einen uni-schülerzeitungsaufsatz über die erfindung der meta-ebene geschrieben habe, und dass es damit nun aber auch gut sein müsse ...? und hat es geholfen? drei jahre später tempo, 7 jahre später sz-magazin, vom tv ganz zu schweigen. die meta-hölle, sagte er, und starrte in sein glas, kopfschüttelnd. die meta-hölle...)
aber was ich eigentlich sagen wollte: "musik zu der ich gern sex hätte" ist die vielvielviel schlimmere kategorie. abgesehen davon, dass es das nicht gibt.
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