man kann nicht auf deutsch darüber singen, dass man auf deutsche titel scheißen soll
ich habe ja derzeit außer am pc keinen funktionierenden cd-player und meine cds auch immer noch nicht alphabethisch geordnet, höre also nur mehr radio und was eben so aktuell so rumliegt und in den meisten fällen ist das wohl auch gut so. für alle anderen fälle gibt es uwe schüttes „basis-diskothekt rock und pop“, könnte man jetzt überleiten, wenn es stimmte, allein es stimmt nicht.
uwe schütte hat sich gedacht, muss ja nicht immer nur die ß eine diskothek machen, mach ich mal selber. die hehre absicht ehrt zwar, doch das gegenteil von gut ist gut gemeint.
mit der auswahl der bands hat er sich nicht viel an provokation angetan: sind halt die, auf die sich sicher alle irgendwie einigen können, bisschen viel uk in den frühen 80ern vielleicht, aber das ist ja auch klasse musik. bei hundert alben fehlt natürlich immer viel und außer the police ist kaum was wirklich arges dabei. für deutschland sind nur fehlfarben, can, neubauten und kraftwerk am start, was wohl insgesamt irgendwie stimmt. frauen spielen in der auswahl keinen rock’n’roll, was nicht stimmt und nicht verteidigt wird. lustig ist dafür die alphabetische anordnung: simon & garfunkel kommen nach den pistols, das macht freude.
die fehlenden kracher in der artistauswahl holt schütte dann auch brav in der einzelalbumsauswahl nach, weiß doch jedes kind, dass das weiße album sgt.pepper und die druqks come to daddy vorzuziehen ist. ein schelm, wer nirvanas nevermind nicht bespricht, dafür aber die klingeltonwerbungssender-sessions.
über diese kleinen fachlichen fehler, die bei der fülle des materials schon mal passieren können, will man noch gütig hinwegsehen. die beatie boys waren, so die offizielle geschichtsfälschung, auch vor hello nasty keine „bierseelige klamauktruppe“, wie schütte fälschlicherweise annimmt, sondern hoch intelligente popstars, die nur so taten, als ob, aber: geschenkt, niemand kann alles wissen.
schütte liebt das detail, und schütte liebt die ordnung: kein album, zu dem wir nicht die lebensläufe aller beteiligten, eine heitere schnurre aus dem studio (dessen namen nie fehlt), eine genaue beschreibung des covers und darüber hinaus nichts erfahren. so interessant die anzahl der studiotage jedes einzelnen beach-boys-albums zwar ist, das kunststück des schreibens über pop ohne selbst pop zu sein erreicht damit seine perfektion: reclams opernführer könnte nicht uninteressanter sein.
die wirklich entscheidenden 2 oder 3 dinge beim pop-schreiben fehlen: kein ich, das von sich plappert, über schütte erfährt man bis zum ende (neil young) nichts, keine unverschämt geklauten zitate, keine spiele mit der form, kaum bemerkungen, was es heißt, die jeweilige musik zu mögen, kleidungs-, frisuren-, drogen-, und hipnesstechnisch, keine apodiktischen provokationsurteile, achja, und punkplatten bespricht er auch grundsätzlich nicht außer alibi-god-save-the-queen.
in dieser reinheit ist das fast schon wieder klasse, keine noch so abgelutschte phrase fehlt: bässe wummern, schlagzeuge rumpeln, gitarrenriffs der supergruppe brettern und donnern ordentlich dahin, nur 1000 einheiten wurden was? ja: gepresst und dann abgesetzt. der pop und der punk spiegelt sich in, und das ist die beste: emblematischen covern wieder. leider irritieren in dieser klischee-sammlung dann doch selten gestreute witzige aphorismen wie der, dass man sich dylan nicht von seinen fans (esoteriker, männliche nostalgiker und weltmusikhörer) vermiesen lassen dürfe.
das blöde nachwort hätte es dann auch nicht gebraucht, popkulturpessismus go home. man kann natürlich auch gutes über diese basis-diskothek sagen: wenn unsere ururenkel sich die liste später mal durchlesen, haben sie was, wo sie anfangen können. für uns bewohner des 21. jahrhunderts ist das beste, was man davon hat, dass man lust kriegt, die alten platten mal wieder zu hören. zumindest als ich es gelesen haben, habe ich bei den platten aus den 90ern immer gedacht, die war doch wirklich gut, könnte man wieder mal hören und nicht immer nur den blöden gitarrenkrach, der jetzt halt so zu hören ist. waren aber dann meistens eher enttäuschungen, ist schon gut so, dass man das ganze alte zeug mal für ein paar jahrzehnte vergisst, unser jahrzehnt zitiert gerade eh ein viel brauchbareres als das, das die 90er zitiert haben. und das, was die 90er neu gemacht hatten, wird irgendwann auch nicht mehr so blöd vorbei klingen, außer aphex twin natürlich.
schütte, uwe: basis-diskothek rock und pop, stuttgart, reclam, 2004, 231 seiten und keine einzige abbildung

uwe schütte hat sich gedacht, muss ja nicht immer nur die ß eine diskothek machen, mach ich mal selber. die hehre absicht ehrt zwar, doch das gegenteil von gut ist gut gemeint.
mit der auswahl der bands hat er sich nicht viel an provokation angetan: sind halt die, auf die sich sicher alle irgendwie einigen können, bisschen viel uk in den frühen 80ern vielleicht, aber das ist ja auch klasse musik. bei hundert alben fehlt natürlich immer viel und außer the police ist kaum was wirklich arges dabei. für deutschland sind nur fehlfarben, can, neubauten und kraftwerk am start, was wohl insgesamt irgendwie stimmt. frauen spielen in der auswahl keinen rock’n’roll, was nicht stimmt und nicht verteidigt wird. lustig ist dafür die alphabetische anordnung: simon & garfunkel kommen nach den pistols, das macht freude.
die fehlenden kracher in der artistauswahl holt schütte dann auch brav in der einzelalbumsauswahl nach, weiß doch jedes kind, dass das weiße album sgt.pepper und die druqks come to daddy vorzuziehen ist. ein schelm, wer nirvanas nevermind nicht bespricht, dafür aber die klingeltonwerbungssender-sessions.
über diese kleinen fachlichen fehler, die bei der fülle des materials schon mal passieren können, will man noch gütig hinwegsehen. die beatie boys waren, so die offizielle geschichtsfälschung, auch vor hello nasty keine „bierseelige klamauktruppe“, wie schütte fälschlicherweise annimmt, sondern hoch intelligente popstars, die nur so taten, als ob, aber: geschenkt, niemand kann alles wissen.
schütte liebt das detail, und schütte liebt die ordnung: kein album, zu dem wir nicht die lebensläufe aller beteiligten, eine heitere schnurre aus dem studio (dessen namen nie fehlt), eine genaue beschreibung des covers und darüber hinaus nichts erfahren. so interessant die anzahl der studiotage jedes einzelnen beach-boys-albums zwar ist, das kunststück des schreibens über pop ohne selbst pop zu sein erreicht damit seine perfektion: reclams opernführer könnte nicht uninteressanter sein.
die wirklich entscheidenden 2 oder 3 dinge beim pop-schreiben fehlen: kein ich, das von sich plappert, über schütte erfährt man bis zum ende (neil young) nichts, keine unverschämt geklauten zitate, keine spiele mit der form, kaum bemerkungen, was es heißt, die jeweilige musik zu mögen, kleidungs-, frisuren-, drogen-, und hipnesstechnisch, keine apodiktischen provokationsurteile, achja, und punkplatten bespricht er auch grundsätzlich nicht außer alibi-god-save-the-queen.
in dieser reinheit ist das fast schon wieder klasse, keine noch so abgelutschte phrase fehlt: bässe wummern, schlagzeuge rumpeln, gitarrenriffs der supergruppe brettern und donnern ordentlich dahin, nur 1000 einheiten wurden was? ja: gepresst und dann abgesetzt. der pop und der punk spiegelt sich in, und das ist die beste: emblematischen covern wieder. leider irritieren in dieser klischee-sammlung dann doch selten gestreute witzige aphorismen wie der, dass man sich dylan nicht von seinen fans (esoteriker, männliche nostalgiker und weltmusikhörer) vermiesen lassen dürfe.
das blöde nachwort hätte es dann auch nicht gebraucht, popkulturpessismus go home. man kann natürlich auch gutes über diese basis-diskothek sagen: wenn unsere ururenkel sich die liste später mal durchlesen, haben sie was, wo sie anfangen können. für uns bewohner des 21. jahrhunderts ist das beste, was man davon hat, dass man lust kriegt, die alten platten mal wieder zu hören. zumindest als ich es gelesen haben, habe ich bei den platten aus den 90ern immer gedacht, die war doch wirklich gut, könnte man wieder mal hören und nicht immer nur den blöden gitarrenkrach, der jetzt halt so zu hören ist. waren aber dann meistens eher enttäuschungen, ist schon gut so, dass man das ganze alte zeug mal für ein paar jahrzehnte vergisst, unser jahrzehnt zitiert gerade eh ein viel brauchbareres als das, das die 90er zitiert haben. und das, was die 90er neu gemacht hatten, wird irgendwann auch nicht mehr so blöd vorbei klingen, außer aphex twin natürlich.
schütte, uwe: basis-diskothek rock und pop, stuttgart, reclam, 2004, 231 seiten und keine einzige abbildung

assotsiationsklimbim - 19. Jul, 23:50 - Rubrik: hide behind these books i read
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