Altes von Tricksern
Lipstick Traces und was man daraus lernen kann: Baumeisters/Negators Einführung in die Theorie der Situationistischen Internationale

Man wird dem Resort nichts Neues erzählen, bringt man zum Ausdruck, unter jungen Leuten sei derzeit eine auf die Musik ihrer Eltern oder großen Schwestern Bezug nehmende Musik nicht ganz unangesagt und wer außer denen, die beim ersten Mal schon dabei gewesen waren und die die mangelnde Kenntnis der Originalstücke bekritteln, würde es ihnen verübeln wollen, das war auch klasse Musik.
Bei linker Theorie ist es irgendwie genau umgekehrt: derzeit eher out, dafür ist es nie ein Schaden, wenn man ein paar alte Schriften des Dagegenseins gelesen hat, um nicht die selben Fehler noch einmal zu machen. Es muss ja nun nicht unbedingt wieder die Maobibel sein, die in den Gesäßtaschen der Menschen mit den besseren Frisuren steckt, Mutter Erde ist mit uns seither ja doch ein paar Runden durchs All gerast und auch sonst sind zwo, dro Sachen passiert in der Zwischenzeit. Aber gerade wenn es allgemeiner Konsens wird, dass sämtliche linke Projekte leider nicht funktioniert haben und also nie funktionieren können, weil der Mensch halt eben nicht für den Communismus geschaffen ist und man also nichts tun kann, tut man gut daran, zu tun, was man tun kann: erstmal nachlesen und dann im nächsten Kneipenstreit die besseren Argumente haben. Es ist ja nicht so, dass sich nicht schon frühere Generationen vor dem sich Gebärden als Naturgesetz der bösen Maschine aka Kapitalismus die Zähne ausgebissen hätten, das vielfach noch nicht einmal die Denkmöglichkeit einer anderen Welt erlaubt.
Von eben den Zwängen, deren Abschaffung sein Projekt ist, geknechtet in das, was so schön prekäre Verhältnisse zu nennen wir uns brav angewöhnt haben, hat der junge Mensch natürlich auch nicht so viel Zeit, alles im Original nachzulesen und zu verstehen. Zum guten Glück ist das aber gar nicht mehr nötig: Die im Schmetterling Verlag erscheinende Reihe theorie.org bietet kompakte Einführungen in wesentliche Strömungen linken Denkens.
Der von Biene Baumeister und Zwi Negator verfasste Beitrag zu Situationistischer Revolutionstheorie umfasst nicht weniger als zwei Bände (von denen der Rezensent nur den ersten teilweise gelesen hat) plus einem umfangreichen Anmerkungsapparat im Netz und überzeugt dabei nachdem man sich erst einmal an den feierlich-ernsten Ton gewöhnt hat sowohl durch die (relativ leicht) verständliche Aufbereitung des von Guy Debord u.a. in den 50ern entwickelten Theorieapparats als auch durch die Überlegungen der situationistischen Bewegung selbst, die, wie wir ja alle wissen, nicht nur maßgeblichen Einfluss auf Dinge wie '68 oder Punk ausübten, sondern auch einen wohl zu Unrecht fast vergessenen Versuch darstellen, eine fundamentale Kapitalismuskritik vor der Folie einer heraufziehenden Mediengesellschaft mit der Erfahrung der Vereinnehmbarkeit und dem Vereinnehmen aller Oppositionen zu diesem System durch ebendieses zusammen zu denken, ohne sich in Esoterik oder Reaktion zu flüchten. Von hier oder einer ähnlichen Stelle aus könnten wir dann weiterdenken.
Biene Baumeister & Zwi Negator: Situationistische Revolutionstheorie. Eine Aneignung. theorie.org, Schmetterling Verlag, Stuttgart, 2005

Man wird dem Resort nichts Neues erzählen, bringt man zum Ausdruck, unter jungen Leuten sei derzeit eine auf die Musik ihrer Eltern oder großen Schwestern Bezug nehmende Musik nicht ganz unangesagt und wer außer denen, die beim ersten Mal schon dabei gewesen waren und die die mangelnde Kenntnis der Originalstücke bekritteln, würde es ihnen verübeln wollen, das war auch klasse Musik.
Bei linker Theorie ist es irgendwie genau umgekehrt: derzeit eher out, dafür ist es nie ein Schaden, wenn man ein paar alte Schriften des Dagegenseins gelesen hat, um nicht die selben Fehler noch einmal zu machen. Es muss ja nun nicht unbedingt wieder die Maobibel sein, die in den Gesäßtaschen der Menschen mit den besseren Frisuren steckt, Mutter Erde ist mit uns seither ja doch ein paar Runden durchs All gerast und auch sonst sind zwo, dro Sachen passiert in der Zwischenzeit. Aber gerade wenn es allgemeiner Konsens wird, dass sämtliche linke Projekte leider nicht funktioniert haben und also nie funktionieren können, weil der Mensch halt eben nicht für den Communismus geschaffen ist und man also nichts tun kann, tut man gut daran, zu tun, was man tun kann: erstmal nachlesen und dann im nächsten Kneipenstreit die besseren Argumente haben. Es ist ja nicht so, dass sich nicht schon frühere Generationen vor dem sich Gebärden als Naturgesetz der bösen Maschine aka Kapitalismus die Zähne ausgebissen hätten, das vielfach noch nicht einmal die Denkmöglichkeit einer anderen Welt erlaubt.
Von eben den Zwängen, deren Abschaffung sein Projekt ist, geknechtet in das, was so schön prekäre Verhältnisse zu nennen wir uns brav angewöhnt haben, hat der junge Mensch natürlich auch nicht so viel Zeit, alles im Original nachzulesen und zu verstehen. Zum guten Glück ist das aber gar nicht mehr nötig: Die im Schmetterling Verlag erscheinende Reihe theorie.org bietet kompakte Einführungen in wesentliche Strömungen linken Denkens.
Der von Biene Baumeister und Zwi Negator verfasste Beitrag zu Situationistischer Revolutionstheorie umfasst nicht weniger als zwei Bände (von denen der Rezensent nur den ersten teilweise gelesen hat) plus einem umfangreichen Anmerkungsapparat im Netz und überzeugt dabei nachdem man sich erst einmal an den feierlich-ernsten Ton gewöhnt hat sowohl durch die (relativ leicht) verständliche Aufbereitung des von Guy Debord u.a. in den 50ern entwickelten Theorieapparats als auch durch die Überlegungen der situationistischen Bewegung selbst, die, wie wir ja alle wissen, nicht nur maßgeblichen Einfluss auf Dinge wie '68 oder Punk ausübten, sondern auch einen wohl zu Unrecht fast vergessenen Versuch darstellen, eine fundamentale Kapitalismuskritik vor der Folie einer heraufziehenden Mediengesellschaft mit der Erfahrung der Vereinnehmbarkeit und dem Vereinnehmen aller Oppositionen zu diesem System durch ebendieses zusammen zu denken, ohne sich in Esoterik oder Reaktion zu flüchten. Von hier oder einer ähnlichen Stelle aus könnten wir dann weiterdenken.
Biene Baumeister & Zwi Negator: Situationistische Revolutionstheorie. Eine Aneignung. theorie.org, Schmetterling Verlag, Stuttgart, 2005
assotsiationsklimbim - 4. Okt, 21:36 - Rubrik: hide behind these books i read
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