allright, frierkids?
liebe und freiheit sind die zwei worte, für die wir noch längst nicht bereit sind

ein schimpf- und schandlied auf das versagen der gesellschaftlichen innovationsbestrebungen des vergangenen jahrhunderts zu singen war/ist unter anderem ja auch ein anliegen von autoren, die unter anderem auch die für den einen oder anderen content contribiutor dieses resorts nicht völlig einflusslosesten texte verfassten (das resort berichtete). andrea rothaug erzählt ihren debutroman "frierkind" also sozusagen aus dem gemachten bett heraus: aber 68er-bashing lesen - ja bitte.
andrea rothaug, jahrgang '65, hat so viel streetcredibility, da können bleiche französische informatiker ihr geburtsjahr fälschen wie sie wollen und müssen trotzdem einpacken. wenn der papierform nach wer dem nonkonformismus ein atonales requiem singen darf, dann sie.
und genauso ist es dann auch: holly, so was wie hhs szenequeen, arty und befreit bis dorthinaus, und ihr blödes urbanes pennerumfeld machen dem protagonisten unseres kleinen bildungsromans, max tinker, das leben zur hölle. max tinker durfte schon immer alles, außer konventionen einzuhalten. klar, dass da dem klischee entsprechend ein pedantischer psychopath herauskommt, unfähig zu allen menschlichen regungen und vor allem zur liebe. max tinker liebt seine ticks, schmutz, rotz, dreck und onanie. [ein kleiner nebensatzsexismus könnte jetzt erwähnen, wie verblüffend gut rothaug die hormonellen nöte ihres antihelden (nebensatzsexismen zucken nicht mit der wimper, wenn sie "antiheld" schreiben) beschreibt, der eigentliche text verkneift sich das mal.]
dann kommt auch noch ein mädchen ins spiel. eine art "kevin blechdom oder gustav meets the swan"-figur führt den armen tinker in die geheimnisse menschlicher wärme und nähe ein, ist zum guten glück aber selbst kaputt genug, um ihm auch gerade noch genug weh zu tun, als dass die kitschszenen zu zahlreich zum störungsfreien überblättern wären. in den manigfaltigen nebenfiguren und ihren blöden kunstprojekten dürfen sich dann wohl rothaugs künstlerfreunde wiederfinden.
schwer zu sagen, warum man den aus frustration über seine blöden hippieeltern kleintierfickenden tinker und seine popkulturzitatgewürzte boy-meets-girl-story nicht entnervt als ungelungene übersetzung der vorbilder zur seite legt. es liest sich eben gut. ist irgendwie gut. man denkt sich immer, eigentlich müßte ich das hassen, aber die darf das. vielleicht ist es die popsongausmaße annehmende leitmotivik. vielleicht diese sprache (normalerweise todesstrafe), diese ellipsen (normalerweise todesstrafe), diese, wehe wer lacht, poesie (normalerweise besonders grausamer tod, als könnte sprache mehr, als sie kann). die fast zum normalerweise ebenfalls mit todesstrafe belegten kapitalverbrechen der primärtextstilimition durch die kritik verführen könnte. fast nur. nicht ganz. peinlichkeit, nicht notwendigkeit.
höchstwahrscheinlich ist es aber auch nur, dass max tinker in seiner freizeit bret easton ellis liest.
andrea rothaug: frierkind, eichborn, frankfurt a.m., 2005, 243 seiten

ein schimpf- und schandlied auf das versagen der gesellschaftlichen innovationsbestrebungen des vergangenen jahrhunderts zu singen war/ist unter anderem ja auch ein anliegen von autoren, die unter anderem auch die für den einen oder anderen content contribiutor dieses resorts nicht völlig einflusslosesten texte verfassten (das resort berichtete). andrea rothaug erzählt ihren debutroman "frierkind" also sozusagen aus dem gemachten bett heraus: aber 68er-bashing lesen - ja bitte.
andrea rothaug, jahrgang '65, hat so viel streetcredibility, da können bleiche französische informatiker ihr geburtsjahr fälschen wie sie wollen und müssen trotzdem einpacken. wenn der papierform nach wer dem nonkonformismus ein atonales requiem singen darf, dann sie.
und genauso ist es dann auch: holly, so was wie hhs szenequeen, arty und befreit bis dorthinaus, und ihr blödes urbanes pennerumfeld machen dem protagonisten unseres kleinen bildungsromans, max tinker, das leben zur hölle. max tinker durfte schon immer alles, außer konventionen einzuhalten. klar, dass da dem klischee entsprechend ein pedantischer psychopath herauskommt, unfähig zu allen menschlichen regungen und vor allem zur liebe. max tinker liebt seine ticks, schmutz, rotz, dreck und onanie. [ein kleiner nebensatzsexismus könnte jetzt erwähnen, wie verblüffend gut rothaug die hormonellen nöte ihres antihelden (nebensatzsexismen zucken nicht mit der wimper, wenn sie "antiheld" schreiben) beschreibt, der eigentliche text verkneift sich das mal.]
dann kommt auch noch ein mädchen ins spiel. eine art "kevin blechdom oder gustav meets the swan"-figur führt den armen tinker in die geheimnisse menschlicher wärme und nähe ein, ist zum guten glück aber selbst kaputt genug, um ihm auch gerade noch genug weh zu tun, als dass die kitschszenen zu zahlreich zum störungsfreien überblättern wären. in den manigfaltigen nebenfiguren und ihren blöden kunstprojekten dürfen sich dann wohl rothaugs künstlerfreunde wiederfinden.
schwer zu sagen, warum man den aus frustration über seine blöden hippieeltern kleintierfickenden tinker und seine popkulturzitatgewürzte boy-meets-girl-story nicht entnervt als ungelungene übersetzung der vorbilder zur seite legt. es liest sich eben gut. ist irgendwie gut. man denkt sich immer, eigentlich müßte ich das hassen, aber die darf das. vielleicht ist es die popsongausmaße annehmende leitmotivik. vielleicht diese sprache (normalerweise todesstrafe), diese ellipsen (normalerweise todesstrafe), diese, wehe wer lacht, poesie (normalerweise besonders grausamer tod, als könnte sprache mehr, als sie kann). die fast zum normalerweise ebenfalls mit todesstrafe belegten kapitalverbrechen der primärtextstilimition durch die kritik verführen könnte. fast nur. nicht ganz. peinlichkeit, nicht notwendigkeit.
höchstwahrscheinlich ist es aber auch nur, dass max tinker in seiner freizeit bret easton ellis liest.
andrea rothaug: frierkind, eichborn, frankfurt a.m., 2005, 243 seiten
assotsiationsklimbim - 8. Mär, 22:55 - Rubrik: hide behind these books i read
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