Dienstag, 4. Jänner 2011

2010

"nothing changes on new year's day"

Zu den Jahren 2005, 2006 und 2008 sind hier Listen erschienen, die die besten Platten, Bücher und sonstigen Kram des gerade abgelaufenen Jahres in eindeutigen Reihenfolgen nach Qualität geordnet präsentierten, wobei der Jahreszahlenwechsel wohl als Zeitpunkt gewählt wurde, weil es leichter zu recherchieren war und alle anderen es auch so machten.

Das ist (mir) heutzutage weder möglich (Ich habe mich heuer fast vollkommen aus dem tagesaktuellen Popgeschehen in ein Reich der ideosynkratischen Einsamkeit zurückgezogen / aufgrund höherer Mächte zurückziehen müssen, was neben vielem anderen eine der traurigsten Nebenerscheinungen des Vergreisens ist, aber das nur nebenbei und soundso keine Zeit mehr für irgendwas), noch ist es generell weiterhin notwendig (Weil (1.) gleicher Grund wie oben und (2.) schreiben heutzutage sowieso alle irgendwelchen Kram ins Internet, wie sie irgendwelche Waren oder Sachverhalte finden, was ja auch komplett ok und super für alle ist, aber dazu führt, dass die eigene Lust, irgendetwas irgendwie zu finden oder gar darüber zu reden, rapide abnimmt, was wohl auch der Grund des weitgehenden Erliegen dieses Blogs ist. Was bleibt, ist Verlangen nach unsichtbarem Verweigern, Verbitterung und Erschöpfung, aber auch das kann eine Alterserscheinung sein. Und die falschen Leute, die ihre Altersmüdigkeit mit einer zutreffenden Beschreibung der Welt verwechseln, haben wir früher schon gehasst.)

Jedenfalls lässt sich auch dieser Umstand nicht nur als gegeben, sondern auch als Problem wahrnehmen, und wenn es ein Problem ist, ist irgendein anderer Umstand die Lösung davon. So funktioniert Kausalität, langweilig wird sie nie.

Also bitte, hier die Lösung des Problems, nicht mal nichts mehr sagen zu wollen:

Die (ungereihten) Charts der 2010er Charts, fein säuberlich bei Delicious sortiert, wie es sich gehört.

(Kryptische Bemerkungenen in Klammer dazu:

Es hat mir abgesehen von frühester Jugend nie besonders eingeleuchtet und will mir jetzt einfach absolut nicht mehr einleuchten, was die Kategorie "Peinlichstes Lieblingslied" 2010 soll (sag ich jetzt mal bewusst ohne Vollverb), war es doch im Sommer 2010, in dem ich mit meinem liebsten Whedon-Experten wiesengrund im Baggersee am Rande der Stadt stehend auf wunderbare Weise übereinstimmte, dass wir 2010 und mit diesem Netz-Kram und irgendwie allem endlich an einem historischen Punkt der Popästhetik angelangt sind, wo so richtig richtig richtig stimmt, was Austrofred so herrlich auf den Punkt bringt: "Manche Sachen sind einfach schon so überladen mit Symbolik und Ironie und Camp und "Gschisti-Gschasti", dass man sowieso nur mehr nach dem eigenen Gefühl gehen kann, ob einem das taugt oder nicht, weil eine ästhetische Wahrheit dazu gibt es nicht - oder nicht mehr." und dass also ironisch oder unironisch Lady Gaga hören genau das Gleiche ist wie ironisch oder unironisch oder naiv oder wissend oder wie auch immer Vampire Weekend oder Moritz von Oswald Trio oder was auch immer wie auch immer zu hören und dass wir damit in der größten, herrlichsten und schrecklichsten Pop-Zeit aller Zeiten leben dürfen und dass wir das begrüßen wie jede Komplexität und dass alle anderen Lamenti von wegen es wäre irgendwie alles ein postpostmoderner, neoliberaler, relativistischer, historisierender Referenzhöllenweb2.0metakram, in dem keine Innovation mehr möglich sei, nur von denen stammen kann, die zu faul oder zu dumm für diese unsere Welt sind, die wir uns immer schon so gewünscht und jetzt endlich for real so bekommen haben.

Trotzdem finde ich es immer noch blöd, darüber zu schreiben, wie es irgendwem oder z.b. mir gerade geht und streng genommen auch blöd zu schreiben, dass ich das zu schreiben blöd finde (etc.), aber trotzdem und gerade deswegen: Irgendwie gerade so eine Guten-Mutes-Stimmung mit Anteilen von End-of-Krampf, zwar halbvergrätzt von Timelines, Alter Welt und Verpflichtungen, aber hey, auch Probleme können Spaß machen. Eine weitere gute Neuerung beim natürlich vollkommen egalen Jahreswechsel war im Übrigen der Silvesterbrunch, bei dem wir alle Bereiche des Lebens im schöner Vollständigkeit besprochen haben. Man sollte ja generell mehr gute Dinge machen als denen ihre.)

Und damit von meiner Seite wieder Funkstille und banges Warten bis 15.2.

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gnomas - 16. Mai, 15:14

wenn wieder einer dieser tage ist...

(siehe jan delay/sam ragga)... dann schau ich hier rein. Ich les aber nicht wirklich was, (was einen profunden Diskurs schon mal verunmöglicht) sondern lass mir was ins Auge springen. Diesmal: "...größten, herrlichsten und schrecklichsten Pop-Zeit aller Zeiten leben dürfen ..."

Dann dürfen wir annehmen, dass wir in peak-pop leben. dass hier mal ein hoehepunkt, eine trendwende, ein extrem erreicht ist. Und das es sich diesmal nicht um den staendigen fluss handelt, der im jeweiligen moment zwar stets wie der letzte heisse scheiss ausschaut, und aus der zeitlichen distanz betrachtet eher wie die foehnwelle von samantha fox. (andreas khol hat das irgendwie anders formuliert).

na, das ist doch schon was, wenn man sich erkuehnt, hier mal einen flagge in den grund zu rammen und zu behaupten, dass es sich um den pol handelt. was weiss denn ich von pop, aber ich kenne die kurven von peak oil, peak holz und anderen. wenn nun die berufeneren diese kurven umlegen auf peak pop und diese analogien und ausblicke kundtun, taet mich das interessieren.

mauszfabrick - 24. Mai, 15:33

nunja, es darf als bekannt vorausgesetzt werden, dass gute popkunst immer die beste popkunst aller zeiten ist, was subjektiv und objektiv in jedem einzigem moment stimmt und dieser umstand wird auch nicht dadurch geschmälert, dass jede popkunst ihrer zeit die beste aller zeiten ist. so kleine widersprüchchen auszuhalten haben wir doch schon vor jahrzehnten gelernt.
gnomas - 14. Jun, 10:33

die guteste aller zeiten

wie ist das nun, wenn die popkunst IMMER die guteste aller zeiten ist... relativiert sich das prädikat, sucht man ein neues oder nimmts ohnehin nicht mehr ernst? wie habt ihrs da gehalten, in eurer jahrzehntenlangen rezeptionserfahrung? und wie ist das, wenn zB white stripes sich deutlich an eine längst vergangene popkunst anlehnen, heisst dass dann, dass die damals guteste abermals die guteste sein kann, also keine einmaligkeit und vergänglichkeit vorliegt, nicht so wie bei den armen boxern, die - wenn sie einmal tuechtig aufs maul gekriegt haben - nie wieder kehren. und nie wieder sprechen. und nie widersprechen. nichtmal widersprüchchen, winzige.
mauszfabrick - 14. Jun, 16:01

kannst oder willst du mich nicht verstehen? die antwort steht ja schon da. und was white stripes u.ä. betrifft: dass das zitat einer sache nicht die sache ist, leuchtet doch ein, oder nicht?

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